
- 29.06.202619:00 Uhr Theater der Welt präsentiert
- Regie:
Howard Brookner - Darsteller:
Robert Wilson, Philip Glass, Christopher Knowles, Heiner Müller, Gavin Bryars
- USA 1985
- 94 min
- Großer Saal
Robert Wilson war einer der bedeutendsten Vertreter des modernen Regietheaters. Anlässlich der Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles plante Wilson das weltumspannende Opernprojekt „the CIVIL warS“ – und begann damit einen Kampf gegen die Zeit. Bei den Vorbereitungen begleitete den legendären Visionär, der in den 1970er Jahren mit spektakulären Inszenierungen wie „Einstein on the Beach“ für Furore sorgte, sein 1989 verstorbener Freund Howard Brookner und sammelte Eindrücke von Freunden und Wegbegleitern. Zwölf Jahre hat Aaron Brookner, Neffe des Filmemachers, an der Restaurierung der einzig erhaltenen 16mm- Kopie gearbeitet. Ein unschätzbares Vermächtnis.
Wir zeigen diesen Film einmalig im Rahmen des Festivals Theater der Welt. Vor dem Film lädt das Festival zu einem Gespräch mit Wegbegleitern des 2025 verstorbenen Regisseurs. Der Eintritt ist frei. Es läuft die englische Originalversion mit deutschen Untertiteln.
Es kommt nicht oft vor, dass ein großer Künstler über einen Ehrgeiz verfügt, der seiner kreativen Vision gerecht wird; Robert Wilson war einer von ihnen. Aus bescheidenen Verhältnissen in Waco, Texas, stammend, erlangte er weltweite Anerkennung für seine eindringlichen, bewegenden Theaterinszenierungen. Zusammen mit seinen Mitstreitern Philip Glass, David Byrne und vielen anderen begann er 1979 mit der Konzeption von „CIVIL warS: a tree is best measured when it is down“, einem Projekt, das sechs Theaterensembles aus sechs Ländern bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles zusammenbringen sollte. „Monumental“ reicht kaum aus, um es zu beschreiben. Howard Brookners kürzlich restaurierter Dokumentarfilm zeigt Wilson, wie er die unzähligen Fäden von CIVIL warS zusammenführt, während er unzählige Telefonate führt, um die Welt fliegt und einen Elektrikerstreik in Rom bewältigt. Wilsons Sinn für künstlerische Integrität schwankt nie, auch wenn seine Logik undurchsichtig bleibt: „Schaltet die Leuchtstoffröhren aus“, sagt er während einer Probe, „sie ergeben keinen Sinn.“ Aber wie sonst soll man einen auf dem Kopf stehenden Robert E. Lee beschreiben, der an einem Raumschiff vorbeischwebt? Oder das Gesicht eines Schauspielers, das in einer verzerrten Grimasse erstarrt ist, während er Friedrich den Großen spielt? Mit der Aufgabe betraut, eine Million Dollar aufzutreiben, scheitert Wilson letztendlich. Wie so viele von uns ist auch dieser Beschwörer verschiedener Welten von den Grenzen seiner eigenen Welt eingeengt. (Übersetzung nach Genevieve Yue)
